Die offene Wohnküche – schön auf dem Plan, laut in Wirklichkeit

Offene Wohnküche mit Kochinsel und Essbereich

Eine offene Wohnküche funktioniert im Alltag, wenn Lärm, Gerüche und sichtbare Unordnung zusammen mit dem Grundriss geplant werden, nicht danach. Konkret heißt das: leise Geräte und schallschluckende Flächen, ein Dunstabzug mit Abluft oder ein Kochfeldabzug statt einer einfachen Umlufthaube und deutlich mehr geschlossener Stauraum als in einer separaten Küche. Wer das erst nach dem Einzug angeht, kann nur noch nachbessern.

Die offene Küche ist der Traum jeder Grundrissskizze. Und die Küche, in der man am ehesten feststellt, dass ein schöner Plan noch keinen stillen Feierabend macht.

Viele Neubauten im Münchner Süden planen sie heute so: Kochen, Essen und Wohnen fließen in einen Raum, keine Wände, keine Türen, alles offen. Nur reden die Prospekte fast nie über das, was entscheidet, ob man diesen Traum auch abends noch liebt.

Denn die offene Küche hat einen Konstruktionsfehler, der zugleich ihr größter Vorteil ist: Es gibt keine Tür, die man zumachen kann. Alles, was in der Küche passiert, passiert im Wohnzimmer mit. Das ist herrlich, solange geredet und gelacht wird. Es wird zum Problem, sobald es um Lärm, Gerüche und Unordnung geht. Reden wir also über das, was zwischen dem Renderbild und dem echten Dienstagabend liegt.

Warum sich die offene Küche trotzdem lohnt

Vorweg das Schöne, denn es ist echt: Wer offen kocht, ist nicht mehr in den Nebenraum verbannt. Man hilft den Kindern bei den Hausaufgaben, während die Soße köchelt, und plaudert mit den Gästen beim Schnippeln. Der Raum wirkt größer, das Licht fällt weiter, und der Koch steht endlich nicht mehr mit dem Rücken zur Gesellschaft.

Das ist der Grund, warum diese Küche gewinnt. Damit sie gewinnt, muss man drei Gegner zähmen.

Gegner eins: der Lärm, den keiner einplant

In einem offenen Raum hört man alles. Die Spülmaschine, den Kühlschrank, den Dunstabzug, das Klappern des Geschirrs – nichts davon bleibt mehr hinter einer Tür. Und wenn Fliesen oder Parkett ohne Teppich den Schall zurückwerfen, entsteht eine Dauerkulisse, die den Abend leise, aber beständig untergräbt.

Die Lösung beginnt beim Gerätekauf, nicht bei der Dekoration. Achten Sie auf den Geräuschwert im Datenblatt und fragen Sie danach, denn auf dem Hochglanzbild steht er nicht. Eine Faustregel hilft beim Vergleichen: 10 Dezibel mehr empfindet das Ohr etwa als doppelt so laut.

Dazu kommt die Akustik des Raums selbst: weiche Materialien, die den Schall schlucken, also ein Teppich im Essbereich, Vorhänge, bei Bedarf Akustikpaneele. Als Orientierung für Wohnräume gilt eine Nachhallzeit von etwa 0,5 Sekunden. Und ein oft unterschätzter Trick: die geräuschintensiven Geräte so positionieren, dass sie nicht direkt zum Sofa hin abstrahlen. Das ist keine Kosmetik, das ist Planung, und sie muss stattfinden, bevor die Steckdosen sitzen.

„In einem offenen Raum gibt es keine Tür, die man zumacht. Also muss die Ruhe in die Planung, nicht ins nachträgliche Aufräumen.“

Gegner zwei: der Bratenduft von gestern

Bratenduft beim Kochen ist herrlich. Im Sofapolster am nächsten Morgen ist er es nicht. In der offenen Küche gibt es keine Wand, die verhindert, dass sich Kochdünste in Textilien, Vorhängen und Polstern festsetzen. Eine einfache Umlufthaube, die die Luft nur filtert und zurückgibt, ist hier keine Lösung, sondern das Problem in hübsch.

Ein leistungsstarker Dunstabzug ist bei einer offenen Küche deshalb Pflicht und die Stelle, an der Sie am wenigsten sparen sollten. Wo die bauliche Situation es erlaubt, empfehlen wir Abluft: Sie leitet die Luft nach draußen und arbeitet effizienter. Abluft braucht allerdings nachströmende Luft. Steht im Raum ein Kamin oder eine andere Feuerstätte, muss das vor der Planung mit dem Schornsteinfeger geklärt werden.

Bei einer Kochinsel hat sich der Kochfeldabzug etabliert, oft Muldenlüfter genannt: Er saugt Dampf, Fett und Gerüche direkt nach unten ab, dort, wo sie entstehen. Der schöne Nebeneffekt: keine klobige Haube, die dem offenen Raum die Sichtachse verstellt. Wenn Kochfeld und Abzug zusätzlich gekoppelt sind, regelt sich die Leistung von selbst – mehr dazu in unserem Beitrag über die smarte Küche, die man nicht bedienen muss.

→ Weiterlesen: die smarte Küche, die man nicht bedienen muss

Gegner drei: die Unordnung, die jetzt jeder sieht

Der ehrlichste Nachteil zuletzt: In der geschlossenen Küche durfte das benutzte Geschirr bis morgen stehen bleiben, hinter der Tür sah es ja niemand. In der offenen Küche steht jeder unabgewaschene Topf mitten im Wohnzimmer. Die offene Küche zwingt zur Ordnung, und das ist eine Charakterfrage, keine Planungsfrage. Fast. Denn Planung kann viel abfangen.

Der Schlüssel heißt Stauraum, und zwar geschlossener. Alles, was auf der Arbeitsplatte steht, ist sofort sichtbar und stört die Ruhe des Raums. Also gehört so viel wie möglich hinter geschlossene Fronten. Grifflose, ruhige Flächen unterstützen den aufgeräumten Eindruck, weil das Auge keine Unterbrechung findet. Wie stark Material und Oberfläche zu dieser Ruhe beitragen, beschreiben wir in die stille Kraft des Materials.

→ Weiterlesen: die stille Kraft des Materials

Die Zonierung tut den Rest: eine Kochinsel, ein Tresen, ein Wechsel im Bodenbelag – Fliese im Kochbereich, warmes Parkett im Wohnbereich. Auch Licht zoniert: helles, neutrales Arbeitslicht über der Insel, wärmeres, dimmbares Licht am Esstisch. Wie man das plant, zeigt unser Beitrag warum die Beleuchtung entscheidet, ob eine Küche teuer aussieht oder nur hell ist. So bleibt offen, was offen sein soll, und ruhig, was ruhig sein soll.

→ Weiterlesen: warum die Beleuchtung entscheidet, ob eine Küche teuer aussieht oder nur hell ist

„Die Insel ist das Element, das aus einem offenen Kochbereich eine Wohnküche macht. Sie trennt, ohne zu trennen.“

Passt eine offene Wohnküche zu Ihnen?

Die offene Wohnküche ist ein Statement für ein bestimmtes Leben: gesellig und offen. Wer gern Gäste bewirtet, die Familie um sich hat und Kochen als gemeinsames Erlebnis versteht, wird sie lieben. Wer beim Kochen lieber seine Ruhe hat und das Chaos gern hinter einer Tür lässt, sollte ehrlich mit sich sein, bevor der Grundriss steht. Hinterher lässt sich keine Wand mehr einziehen.

Genau deshalb ist die offene Küche kein Möbelkauf, sondern eine Planungsaufgabe. Akustik, Lüftung und Zonierung gehören zum Grundriss, nicht danach. Wer das früh macht, bekommt den Raum, den das Renderbild verspricht, und einen, in dem der Abend leise wird, wenn er leise werden soll.

Häufige Fragen zur offenen Wohnküche

Ist ein Umluft-Dunstabzug in der offenen Küche ausreichend?

Für gelegentliches, leichtes Kochen kann er reichen. Wer regelmäßig brät, sollte Abluft oder einen leistungsstarken Kochfeldabzug wählen, weil sich Gerüche sonst in Polstern und Vorhängen festsetzen.

Wie laut darf ein Geschirrspüler in der offenen Küche sein?

Als Richtwert empfehlen wir unter 40 dB. Vergleichen Sie die Werte im Datenblatt: Schon wenige Dezibel Unterschied sind im Wohnbereich hörbar.

Wie trenne ich Küche und Wohnbereich, ohne eine Wand zu bauen?

Mit einer Kochinsel oder einem Tresen, einem Wechsel im Bodenbelag und unterschiedlichen Lichtzonen. So bleiben Sichtachsen offen.

Wann muss die offene Küche geplant werden?

Vor dem Rohbau oder spätestens vor der Elektroplanung. Abluftführung, Steckdosen und Leerrohre für den Kochfeldabzug lassen sich danach nur mit Aufwand ändern.

Wir öffnen jede Schublade

Wir sagen Ihnen vor der Planung, wo eine offene Küche im Alltag laut wird und was dagegen hilft. Seit 1996 planen wir als inhabergeführtes Studio Küchen im Münchner Süden, über 2.000 bisher. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin in unserem Studio am Marktplatz 2 in Grünwald: telefonisch unter 089 649 26 24.